Sofortmaßnahmen nach Verletzungen mit bluthaltigem Material/Gerät


(betr. Infektionsgefahr für HIV und Hepatitisviren)
am UNIVERSITÄTSKLINIKUM LEIPZIG
vom 27.01.2007

download Anforderungsbogen bei Nadelstichverletzung
download aktuelle Informationen zum Vorgehen bei Nadelstichverletzungen

Sofortmaßnahmen bei Hautverletzungen:

  • Tätigkeit unterbrechen
    2 min. intensiv Blutung anregen/bluten lassen
    5 min. gründlich desinfizieren (Schmerz auslösen!)
    D-Arzt aufsuchen (Tel. 17801), Zentrale Notaufnahme Liebigstraße 20 im OZL; Patientenaufkleber zum Indexpatienten mitbringen
  • Blutuntersuchung des Indexpatienten durch Station veranlassen: auf HIV, HBs-Antigen, anti-HBs, anti-HBc sowie anti-HCV (Virologie Tel. 14322 oder Rufbereitschaft 0175 2240 471)

Sofortmaßnahmen bei Haut- und Schleimhautkontaminationen (ohne Verletzung):

  • Auge: gründlich spülen mit Pufferlsg. oder 0,9%iger NaCl-Lsg. (möglichst Augenspülflasche)
    Mund: gründl. spülen mit Mundantiseptikum (Betaisodona o.a.)
  • Haut: gründliche Desinfektion und Reinigung mit Cutasept, Wasser und Seife

Aufgaben des D-Arztes (ggf. in Konsultation mit diensthabendem Arzt der Hautklinik, Tel. 18617):

  • Risikoabschätzung für das weitere Vorgehen
    Blutentnahme beim Beschäftigten für HIV-Test, anti-HBs und anti-HCV auf Anforderungeschein Aufkleber des Indexpatienten als Untersuchungsanlass anbringen
    wenn indiziert: Beginn mit medikamentöser Postexpositionsprophylaxe (PEP) gegen HIV innerhalb von optimal 2 Stunden bis maximal 72 Stunden nach Exposition
    Prophylaxe gegen Hepatitis B sollte innerhalb von 48 Stunden erfolgen (Hyperimmunglobulin: Apotheke; Aktiv-Impfstoff: Notfallambulanz)
    anti-HBs-Titer = 100 IE/l aber > 0 IE/L (bei Geimpften): Auffrischimpfung;
    anti-HBs-Titer negativ: Simultanimpfung (Grundimmunisierung beginnen)
  • bekannte Non-Responder: Simultanimpfung

weiterer Ablauf:

  • HIV- und HCV-Tests nach 2-6 Wochen und 3-6 Monaten beim Betriebsärztl. Dienst (BÄD), Johannisalle 34 (Frau Dr. Wittekind)
    bei nachgewiesener Hepatitis C-Infektion des Patienten HCV-PCR nach 2 Wochen
    Hepatitis B-Impfung (Booster oder Grundimmunisierung) sowie Überprüfung des Impferfolgs (anti-HBs) 4-8 Wochen nach letzter Impfung (durch BÄD)
  • Weiterführung der HIV-Postexpositionsprophylaxe - sofern indiziert - bei Prof. Schubert

wichtige Rufnummern:

D-Arzt (Zentrale Notaufnahme) 9717801
Betriebsarzt 9714051 / 9714052
Prof. Schubert (Infektionsmedizin)

9724971 ; Pieper 66-24971

Prof. Liebert (Virologie) 9714300
Virologie-Rufbereitsschaft 0175 2240471

Literatur:

  • Empfehlungen zur Postexpositionsprophylaxe: Hepatitis B: Epidemiol. Bulletin, RKI, 1/2000;
    Risiko Virusinfektion BGW, Stand 04/2003
  • Deutsch-Österreichische Leitlinien zur Postexpositionsprophylaxe zur HIV-Infektion, DMW 2003, 128:36-50
Prof. U.G. Liebert
Prof. S. Schubert
Dr. R. Wittekind
(Institut für Virologie)
(Medizinische Klinik IV Abt.Infektions- und Tropenmedizin)
(Betriebsärztlicher Dienst)

Informationen und Maßnahmen für D-Arzt im Universitätsklinikum Leipzig zu Infektionsrisiko und Postexpositionsprophylaxe (Stand 1.8.2004) Allgemeines HIV-Infektionsrisiko:

  • nach perkutaner Exposition (Stich-/Schnittverletzung) 0,3%
    nach Schleimhaut- und Hautkontamination < 0,1 %
    16-fach höheres Risiko - bei tiefen Stich- und Schnittverletzungen
    6-fach höheres Risiko - bei hoher Viruskonzentration (Virusload) im Blut des Patienten
    5-fach höheres Risiko - bei sichtbaren Blutspuren auf dem Instrument der Verletzung
  • 5-fach höheres Risiko - wenn die Kanüle zuvor in einer Vene oder Arterie plaziert war

Allgemeines Infektionsrisiko HIV - Hepatitis C - Hepatitis B

HIV 0.3 %
HCV ca. 3 % (abhängig im wesentlichen von Viruslast)
HBV ca 35 % (bei Ungeimpften)

Sofortmaßnahmen:
  • Blutuntersuchung auf HIV- und HCV-Antikörper sowie anti-HBs
  • ggf. PEP und Hepatitis B-Prophylaxe

Medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP):

Indikationsstellung

  • angezeigt (zu empfehlen) bei:
    • perkutaner Verletzungen mit einer Hohlnadel (Kanüle) oder Messer (an Patienten mit AIDS oder hoher Viruslast) tiefen Stich- und Schnittverletzungen mit HIV-kontaminierten Instrumenten oberflächlicher Verletzung bei hoher Viruslast der Indexperson
    • sichtbarem Blut auf Instrument
    eingeschränkt angezeigt bei:
    • großflächiger Kontamination von verletzter Haut oder Schleimhaut mit Flüssigkeiten mit hoher Viruskonzentration (auch Spritzer ins Auge)
    • oberflächigen Stich- oder Schnittverletzungen mit nicht sichtbar kontaminierten Spritzen oder scharfen Gegenständen, mit denen keine Blutgefäße eröffnet wurden
  • nicht angezeigt (nicht empfehlen) bei:
    • Kontamination von intakter Haut oder Schleimhaut (auch bei hoher Viruskonzentration)
    • Kontakt von Haut und Schleimhaut mit Körperflüssigkeiten wie Urin oder Speichel

Durchführung (Standardprophylaxe): HIV: Entsprechend der jeweils aktuellen Empfehlungen (Rücksprache mit Prof. Schubert, Tel.: 9724971, Pieper: 66-24971)

  • Combivir 2x1/d + Kaletra 2x3/d oder Combivir 2x1/d + Sustiva 1x1/d
    Beginn: optimal innerhalb von 2 Stunden (bis maximal 72 Stunden) nach Exposition
    Dauer: bis zu 4 Wochen (in Rücksprache mit Prof. Schubert)
  • Bei Schwangeren keine Proteaseinhibitoren (z.B. Kaletra!)